Brautag im Schrebergarten

In unserem Schrebergarten wird nicht nur gegärtnert – wir nutzen ihn auch als einen Ort an dem wir uns verwirklichen und austoben können! Hier genießen wir das Draußensein und es ist genug Platz für die meisten unserer Hobbys. So wie z.B. das Bierbrauen, das wir vor einigen Jahren für uns entdeckt haben. 
Damals haben Herr Meise und ich einen Braukurs gemacht in dem wir die Grundlagen gelernt haben, um Bier selbst herzustellen. Als norddeutsche Deern und Jung haben wir Bier natürlich schon immer sehr gerne getrunken, aber es auch selbst herzustellen ist die Krönung! 
Im Kurs haben wir den Brauvorgang kennengelernt und konnten am Abend 20 Liter des köstlichen Selbstgebrauten für die Gärung mit nach Hause nehmen. Mit einer Anleitung für die weitere Behandlung der Flüssigkeit und einem Rezept für unsere ersten eigenen Brauversuche in der Tasche gingen wir vom Braufieber angesteckt nach Hause!

Seitdem brauen wir jedes Jahr unser Lieblingsbier: ein leckeres Pale Ale, das wie die meisten Biere auch aus Wasser, Malz und Hopfen hergestellt wird. Das Besondere ist der Aromahopfen, der dem Pale Ale seinen fruchtig frischen Geschmack verleiht. Dabei handelt es sich nicht um aromatisierten Hopfen, sondern um eine spezielle Züchtung. Wir nehmen uns jedes Mal vor, auch mal ein Pils zu brauen, aber bisher sind wir immer wieder beim Lieblingsbier gelandet!

 

 

 

 

 

 

Vor unserem ersten eigenen Brautag im Schrebergarten besorgten wir uns die wichtigsten Utensilien: einen Einkochautomat, ein Braupaddel, ein Refraktometer für die Messung des Zuckergehalts, Brauerjod, Thermometer, eine “Läuterhexe”, einen Läuter- und Gärbottich und natürlich die Zutaten: verschiedene Sorten Malz und Hopfen, sowie spezielle Hefe für die Gärung. Nicht zuletzt die Bügelverschlussflaschen, in die das Bier zum Schluss abgefüllt wird.
Alle Zutaten für das Brauen Zuhause können auch in kleinen Mengen für den Hobbybrauer gekauft werden. 
Einen Einkochautomat wollten wir uns für die Verarbeitung unserer Ernte ohnehin kaufen und da man darin auch Bier brauen kann, hat sich die Investition für uns sehr gelohnt! Der Einkochautomat hat ein Fassungsvermögen von 30 Litern und man kann darin ca. 20 Liter Bier brauen. Also nicht sehr viel, aber um ab und zu mal ein ganz besonderes Bier trinken oder anzubieten zu können, reicht es!

 

 

 

 

Ich möchte euch den Brauvorgang gerne grob vorstellen, da es tatsächlich gar nicht so kompliziert ist und man ohne weiteres vielleicht gar nicht auf die Idee kommt selbst zu brauen. Das wichtigste ist, sich an Zeiten, Temperaturen und, wenn es darauf ankommt, an hygienisches Arbeiten zu halten. Und natürlich muss man Zeit mitbringen, denn das Brauen dauert einen ganzen Tag, die Anschließende Gärung und Lagerung etwa 6 Wochen.

Auch wenn Zuhause in kleinen Mengen gebraut wird, muss es beim zuständigen Hauptzollamt angemeldet werden. Bis zu 200 Liter Bier im Jahr dürfen steuerfrei gebraut werden, danach muss man auch Steuern auf das Bier zahlen.

 

Der Brauvorgang


Die Grundlage für das Bier ist der Hauptguss – ca. 20 Liter Wasser – der im Einkochautomat auf die benötigte Temperatur gebracht wird. Das funktioniert mit dem thermostatgeregelten Einkochtopf sehr gut. Die Temperatur kann einfach eingestellt werden und man wartet,  bis das Wasser die Temperatur erreicht hat.

 

Maischen

Sobald das Wasser die Temperatur erreicht hat, wird eingemaischt. Das heißt, das Malzschrot wird langsam unter ständigem Rühren in das Wasser eingerührt. Wir kaufen schon geschrotetes Malz, da wir keine Mühle haben.

Das Maischen soll möglichst viel Stärke in Zucker umwandeln. In mehreren Temperaturstufen werden die im Malz enthaltenen Enzyme herausgelöst, die die Stärkemoleküle in Zuckermoleküle spalten. Der Zucker wird später im Gärprozess zu Alkohol umgewandelt. Es gibt verschiedene Verfahren des Maischens, die die Eigenschaften des Bieres bestimmen.

Mit der Jodprobe kann getestet werden, ob alle Stärke aus der Maische abgebaut wurde, was für das richtige Vergären des Bieres wichtig ist. Verfärbt sich die Maische mit Jod versetzt blau, wurde nicht genug Stärke abgebaut.

 

 

 

 

 

 

Läutern

Anschließend wird der gewonnene Zucker aus der Maische ausgewaschen. Diesen Prozess nennt man Läutern. Mit Hilfe einer Läuterhexe, die wie ein Filter funktioniert und vor den Auslauf des Läuterbottichs angebracht wird, trennen wir die Flüssigkeit (Würze) von der Maische. Dafür wird die Maische vorsichtig in den Läuterbottich überführt.

Nachdem sich die Maische abgesetzt hat, wird die Würze sauber herausgefiltert und wieder in den Einkochtopf gefüllt. Jetzt erfolgt die erste Stammwürzemessung der Vorderwürze, die wir mit Hilfe des Refraktometers, der den Zuckergehalt in der Würze misst, durchführen. Der Wert des Zuckergehalts (Plato) bestimmt den späteren Alkoholgehalt des Bieres. Je höher der Wert, desto stärker wird das Bier.
Die Vorderwürze hat noch einen zu hohen Zuckergehalt, sodass mehrere Nachgüsse (Wasser) auf die Maische nötig sind, um sie bis zum benötigten Wert zu “verdünnen”.

 

 

 

 

 

 

Würzekochen

Die so gewonnene Würze wird im Einkochtopf erhitzt, bis sie kocht. Dann erfolgt die erste Hopfengabe, die hauptsächlich die Bittere unseres Bieres bestimmt.
Anschließend wird der Sud für eine Stunde gekocht. Am Ende der Kochzeit wird der Aromahopfen zugegeben.

 

“Wirlpool”

Sobald die Würze aufgehört hat zu kochen, wird sie durch kurzes, kräftiges Rühren in Rotation gebracht. Durch den so entstehenden Wirbel sammeln sich die festen Bestandteile (vor allem vom Hopfen) in einem Kegel am Boden und verbleiben beim Abfüllen in den Gärbottich im Topf.

 

 

 

 

Kühlung

Vor der Zugabe der Hefe muss die heiße Würze herunter gekühlt werden, damit die Hefe überlebt. Das erfolgt normalerweise mit einem Würzekühler, der die Flüssigkeit schnell herunter kühlt. So besteht weniger Gefahr, dass ungewollte Keime während der Abkühlung in die Würze gelangen und diese schlecht wird. Der Deckel des Gärbottichs muss vor dem Verschließen mit Alkohol desinfiziert werden.
Wir haben keinen Würzekühler und haben die Würze bisher immer von selbst abkühlen lassen. Das hat immer einwandfrei funktioniert. Höchstwahrscheinlich vor allen, weil wir den Gärbottich gründlich mit 97 prozentigen Alkohol desinfizieren und ihn sofort verschließen, sobald die Würze darin ist.

 

Gärung

Wenn die Würze die richtige Temperatur hat, kann die Hefe zugegeben werden und der Gärprozess beginnt. Das von uns gewählte Bier – ein Pale Ale – ist ein obergäriges Bier und kann bei Zimmertemperatur (17-22°C) vergoren werden. Die Hauptgärung ist bei obergärigen Bieren in der Regel nach 7 Tagen beendet.

Damit später genügend Kohlensäure im Bier ist, muss das Bier zusammen mit Zucker in der Flasche für ebenfalls 7 Tage nachgären.

 

Lagerung

Bevor das Bier genossen werden kann, muss es für etwa 4 Wochen so kühl wie möglich – optimal sind 0-3°C –  gelagert werden. Die Lagerung im Kühlschrank reicht aber auch völlig aus. Bei uns ist dann fast der komplette Kühlschrank voll mit unserem Bier! Nach zwei Wochen kann das Jungbier schon gekostet werden, es hat dann aber einen starken Jungbiercharakter.

Wenn Ende Oktober/Anfang November gebraut wird, kann das Bier zu Weihnachten genossen werden!

 

 

Wer auch Lust hat, sein eigenes Bier zu brauen, dem kann ich einen Braukurs, in dem man die ersten Schritte der Bierherstellung kennenlernt, sehr empfehlen! Natürlich kann man sich das ganze Wissen auch selbst aneignen, viele Foren lesen und Anleitungen probieren. Bei uns hat das Selbstbrauen mit der Anleitung aus dem Kurs aber sofort geklappt, wodurch sich gleich ein Erfolgserlebnis eingestellt und das Brauen einfach Spaß gemacht hat!

Übrigens ist so ein Kurs auch ein tolles Weihnachtsgeschenk für eine(n) Bierliebhaber(in) (Nur so als Tipp – für alle die schon auf der Suche sind! 😉 ).

 

 

2 Comments

  • Basti 19. November 2018 at 10:10

    Hallo Marie,
    toller Beitrag 🙂 Da bekomme ich sofort Lust auf selberbrauen. Baut ihr Hopfen auch selber im Garten an?

    LG Basti

    Reply
    • Frau Meise 19. November 2018 at 10:15

      Hallo Basti,
      wie schön, das freut mich!
      Nein, noch bauen wir keinen eigenen Hopfen an, aber das wär’ mal eine Idee! 🙂
      Der “frische” Hopfen in den Bildern ist tatsächlich aus dem Garten, den wir getrocknet und symbolisch mit ins Bier gegeben haben. 😉
      LG Marie

      Reply

Leave a Comment